#2 „Übung macht den Meister“ – 4 Tipps zum effektiveren Üben

 „Übung macht den Meister“ – 4 Tipps zum effektiveren Üben

Jeder hat wohl schon das Sprichwort „Übung macht den Meister“ gehört. Und wie bei allen Sprichwörtern ist auch hier sehr viel Wahres dran. Insbesondere beim Singen lernen spielt das Üben eine große Rolle. Und so erfährst Du im heutigen Blogartikel 4 Tipps wie Du besonders effektiv üben kannst. 
 

1. Der ideale Übe-Raum 
 

Denken wir an das Üben, so stellt sich zu allererst die Frage, wo Du üben solltest. Bei Deiner Auswahl ist ein Kriterium ganz besonders wichtig: Finde einen Ort, wo Du Dich frei, ungehemmt und unbeobachtet fühlst. Auf deinem Weg zu wunderschönen Klängen, wirst Du nämlich auch weniger schöne Klänge produzieren, das ist ganz normal und gehört dazu. Wenn Du allerdings dabei ständig an Deine Mitbewohner oder Nachbarn denkst und was sie wohl über Dich und Deinen Gesang denken, wird das Üben nicht effektiv ablaufen können. Es kann daher in hellhörigen Wohnungen Sinn machen, dass Du Deine Nachbarn fragst, wann sie nicht Zuhause sind und Deine Übezeit dementsprechend anpasst. Weitere Möglichkeiten ergeben sich auch nach Feierabend im Büro, wenn die Kollegen fort sind oder Du fragst z.B. in den ansässigen Kirchengemeinden, Jugend-und Kulturzentren oder im Bürgerverein nach, ob sie einen Raum haben, den Du zum Üben nutzen kannst. Toll wäre auch, wenn Dein Übe-Raum einen Spiegel enthält, der Dir hilft, deine Haltung zu korrigieren und Dir aufzeigt, wo Du unnötige Spannung erzeugst. Wasser sollte auch griffbereit stehen, so dass du stets gut durchfeuchtete Stimmlippen hast. 
 

2. Wie lange Du üben solltest
 

Wie lange solltest Du üben? Diese Antwort hängt etwas von deinem Level ab und wie lange Du schon singst. Da es beim Üben immer auch um Deine Aufmerksamkeit geht und wie lange Du sie halten kannst, wird empfohlen, dass man seine Übezeit daran anpasst. Denn, sobald deine Aufmerksamkeit nachlässt, Deine Muskeln ermüden, die Gedanken abschweifen, kann der sogenannte Penelope-Effekt einsetzen, der eine Verschlechterung durch „Überüben“ bewirkt. Prof. Dr. med Dipl. mus Eckart Altenmüller sagt dazu: „vielleicht ist demzufolge das wichtigste Merkmal effektiven Übens, im richtigen Moment damit aufzuhören“.

Qualität siegt über Quantität.

Gerade Anfänger können in der Regel ihre Aufmerksamkeit nicht so lange halten und sollten daher auf kürzere Übezeiten achten; also lieber in Abständen konzentrierte 10 Minuten am Tag üben als gleich 45min am Stück.
Im Laufe Deiner Übepraxis wirst Du immer mehr herausfinden, wie Deine persönliche Lernkurve aussieht und dass diese abhängig ist von Deiner Tagesform und den Aufgaben die Du übst. In jedem Fall ist wichtig, dass Du bei Anzeichen von Ermüdung aufhörst und lieber nach einer Pause wieder mit frischer Energie weitermachst. Wenn Du nach dem Üben ein heiseres Gefühl hast oder Deine Stimme luftiger klingt als vorher ist es ein klares Anzeichen für Übermüdung und Überbeanspruchung, dies solltest Du unbedingt vermeiden. Achte und höre daher immer auf Deinen Körper und Deine Empfindungen.
Meine Schüler fragen mich häufig, wie oft sie in der Woche üben sollten. Jeden Tag wäre natürlich schön, aber der Erfahrung nach schaffen das die Wenigsten umzusetzen. Ich empfehle immer, es mal auszuprobieren, wie man hier und da 10min-20min Übezeit in den Alltag einbauen kann und sich dann einen Plan zu machen und zu schauen, ob man ihn einhalten kann. Je öfter man zum konzentrierten Üben kommt, desto schneller kommt man voran. Aber ich habe auch Schüler, die aus berufichen Gründen sehr selten zum Üben kommen, wo sich aber einfach durch den regelmäßigen Gesangsunterricht nach und nach ein Lernfortschritt einstellt.

 

3. Beim Üben  Ziele setzen 
 

„Wer das Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“. Dieses Zitat von Christian Morgenstern trifft den Nagel auf den Kopf. Und auch aus der Sportwissenschaft wissen wir, dass je genauer das Ziel gesetzt ist, umso besser wird die persönliche Leistung. Das heißt, Du solltest Dir zuerst über Dein Übeziel im Klaren sein, denn dann wirst Du es auch schneller erreichen. Gerade weil Singen und Musizieren so ein vielschichtiger Prozess ist, macht es Sinn, sich immer nur ein bestimmtes Ziel herauszugreifen und die Aufmerksamkeit darauf zu fokussieren. Innerhalb eines Songs könnte man so beispielsweise einen Abschnitt erst einmal nur mit Fokus auf die richtigen Atempausen und die damit verbundene Abspannung singen. Danach könnte man den Fokus auf die Töne richten, im nächsten Durchlauf auf die Betonung der Worte, dann auf die Klangqualität und dann auf die Empfindungen der beteiligten Muskeln mit dem Ziel die Atemkontrolle möglichst effektiv umzusetzen. Ein Übetagebuch kann hierbei hilfreich sein, in das Du für jede Übesitzung Tageszeit, Übedauer, Übeinhalte, Übeziele und Erreichen der Übeziele, Wohlfühlen und Motivation beim Üben einträgst. Dadurch kannst Du im Nachhinein optimale Übesituationen erkennen und fördern. 

 

4. Eine positive Einstellung kultivieren 
 

Wie wäre es, wenn Du Deine persönliche Übezeit nicht als lästige Pflicht betrachtest, sondern als eine Zeit wertschätzt, wo Du all Deine Alltagsprobleme und Dinge die Dich beschäftigen, loslassen kannst und nur auf die Musik und Deine Stimme den Fokus setzt. Schalte daher auch unbedingt alle Störquellen wie Computer, Telefon und TV etc. aus. Betrachte es als meditative Übung, Deinen Fokus zu halten und ganz im Jetzt zu sein, anwesend zu sein in dem, was Du übst, mit all deinen Sinnen. Bei aller aufzubringenden Disziplin fürs Üben und auch den ganz normalen Rückschlägen, die zu einem Lernprozess dazugehören, ist es ganz wichtig dass Du Dir dabei die Freude an der Musik bewahrst und mit einer positiven inneren Haltung Dich dem Üben widmest. „Üben ist ein sich selbst organisierender Prozess, bei dem Bewegungssteuerprogramme in Wechselwirkung mit den Sinnen nach und nach verbessert und automatisiert werden. Das braucht Zeit. Die Eigenwahrnehmung muss sich erst ausbilden, das Ohr muss sich schärfen, um die Vielfalt von Klängen erzeugen zu können, die den Gesang farbig macht: Fortschritte lassen sich nicht erzwingen, das Lernen geschieht nicht kontinuierlich in einer nach oben strebenden Geraden, gelegentlich sind manchmal sogar vermeintliche Rückschläge notwendig, um an das Ziel zu kommen, sagt Prof. Altenmüller, Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Mit diesem Wissen und einer positiven Einstellung wird sich der Wert Deiner Übezeit vervielfachen.

 

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