#31: Wie treffe ich die Töne beim singen besser? - 6 Tipps für deine Intonation

#31: Wie treffe ich die Töne beim singen besser?

Diese Frage stellen sich die meisten, die mit dem Singen anfangen.

Und das ist auch verständlich, denn allgemein heißt es ja immer: eine gute Sängerin ist eine, die sauber singt. 

Aber wie intoniert man eigentlich als Sänger*in, also wie trifft man einen Ton? 

Im heutigen Blogartikel gehen wir dieser Frage nach und du bekommst 6 Tipps, wie du beim Singen die Töne besser triffst.

 

Wir schauen uns zunächst an, was passiert, wenn man einen Ton singen möchte:

1. Man stellt sich den Ton vor, den man singen möchte. 

2. Man stellt seinen ganzen Körper, die Atmung, die Stimmlippen und Resonanzräume darauf ein. 

3. Man singt den Ton und hört ihn gleichzeitig. 

4. Man kontrolliert den Ton mit seinem Gehör und justiert ihn wenn nötig etwas nach. 

All das passiert innerhalb kürzester Zeit. 

Das Regeln der richtigen Tonhöhe geschieht also durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Erfahrung, Zuhören, Training, Übung, musikalisches Gehör und tonales Vorstellungsvermögen. 

Allgemein kann man sagen, dass die Intonation automatisch immer besser wird, je mehr Du dich in deiner Gesangstechnik verbesserst, also lernst, die Gesangstechnik richtig anzuwenden. 

Daher darf man auch etwas Geduld mit sich haben. Es ist quasi ein Prozess... 

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Gesangslehrerin kann ich sagen, dass es bei Intonationsproblemen meistens um Töne geht, die zu "flat" gesungen werden, wie es im Englischen heißt; also die etwas zu tief gesungen werden. 

Es gibt in jedem Fall ein paar Stellschrauben, die deine Intonation schon direkt positiv beeinflussen können und die ich Dir hier vorstellen möchte: 

1. Deine Körperhaltung 

Deine Intonation wird von deiner Körperhaltung beeinflusst. Ein schlaffer Oberkörper, zu wenig Körperspannung, also eine generelle Unterspanntheit, kann deine Töne absacken lassen. Daher achte auf eine aufgerichtete Wirbelsäule. Als Vorstellungsbild nehme die Marionette, die am Scheitel an einem Faden aufgehängt ist. Stelle dir einen unsichtbaren Faden am vor, der dich auch nach oben hin aufrichtet. 

2. Deine Atemstütze 

Gerade Anfänger*innen sind sich oftmals noch nicht darüber im Klaren, wieviel Luft und Energie sie zum Singen des jeweiligen Tones benötigen. Die Anwendung der Atemstütze ist ein wichtiger Faktor, Töne gut zu intonieren und dadurch vom Körper gut unterstützt zu singen. Höhere Töne brauchen beispielsweise viel mehr Atemsupport und deshalb muss man je nach Tonhöhe die Energie anpassen. Wie die Atemstütze genau funktioniert erfährst Du HIER. 

3. Dein Gaumensegel 

Dein Gaumensegel ist das sogenannte "Zäpfchen", was bei Dir hinten im Rachen zu sehen ist. Ein leicht angehobenes Gaumensegel kann Dir besonders auch bei höhen Tönen helfen, gut zu intonieren. Du kannst dein Gaumensegel anheben, indem Du dir vorstellst, dass Du leicht gähnen musst, oder aber erstaunt schaust, beim Singen. 

4. Dein musikalisches Gehör 

Ich habe es zu Anfang schon angesprochen, dein musikalisches Gehör beeinflusst deine Intonation. Also deine Tonvorstellung. Mit Schülerinnen die sehr starke Intonationsschwierigkeiten haben, übe ich erstmal genau das und zwar sehr langsam. 

Ich singe oder spiele einen Ton mit dem Klavier vor, die Schülerin soll sich den Ton danach vorstellen, also innerlich hören und erst dann singen. Die Trefferquote liegt dann gleich dramatisch höher! 

5. Dunkler versus heller Klang 

Man kann einen Ton, beispielsweise das a' in Kopfstimme singen, in Bruststimme, in Mischstimme, leise, laut, und jedesmal hat die Wahl des Registers oder der Lautstärke einen Einfluss auf die Klangqualität. Aber nicht nur dass, genauso kann man den Klang heller oder dunkler einfärben und dadurch wird die Klangqualität bei gleichbleibender Tonhöhe verändert. 

Mir ist nun aufgefallen, dass manche Schülerinnen fälschlicherweise denken, sie würden falsch intonieren, obwohl sie die Töne richtig singen. Es stellte sich heraus, dass dieses Gefühl daher kam, dass sie einen dunkel gefärbten Klang als tiefer empfinden, als einen heller gefärbten Klang. 

Deinen Gesangs-Klang kannst Du wie gesagt heller oder dunkler färben. Folgendes beeinflusst dabei wann der Klang heller oder dunkler klingt: 

Dunklerer Klang wird erreicht durch: 

- tieferen Kehlkopf (Klassischer Gesang) 
- gehobenes Gaumensegel 
- schlanke Mundstellung 
- Zungenspitze zu sich ziehen 

Hellerer Klang wird erreicht durch: 

- höheren Kehlkopf 
- entspanntes Gaumensegel 
- breitere Mundöffnung 
- Zunge liegt ganz flach im Mund 
- offene Nasenpassage (wie bei mmmm) 
- Twang 

All diese Faktoren können deine Intonation beeinflussen. Wahr ist aber auch, je mehr man sich auf seine Intonation konzentriert und im wahrsten Sinne des Wortes krampfhaft versucht, sie zu verbessern, umso schwieriger wird es. 

Ich würde daher als kleine Übung empfehlen, dass Du dir einzelne Töne vorspielst auf dem Klavier oder der Klavier-App, oder wahlweise selber einen Ton singst, ihn aufnimmst und dir danach abspielst, und dann versuchst zu wiederholen. 

Für manche Menschen ist es leichter einen Ton zu übernehmen, der von einer anderen Person gesungen wird, als vom Klavier, das müsstest Du ausprobieren. 

Das kann man auch wunderbar zu zweit üben, wichtig ist, dass der Partner nicht einfach nur sagt, der Ton ist falsch, sondern, einem anzeigt, ob man höher oder tiefer muss... 

Ich hoffe, die Tipps helfen Dir schon etwas weiter zu verstehen, was für eine gute Intonation wichtig ist. Wie gesagt, mit der Zeit und des Lernens/Übens/Anwendens der richtigen Gesangstechnik, wird sich deine Intonation von selber nach und nach verbessern!

 

Mein Name ist Canan Uzerli und meine Leidenschaft ist es Mädchen&Frauen zu helfen, ihre Stimme zu finden und ihr stimmliches Potential zu entfalten. Ich unterrichte in meinem Raum für Gesang in Hamburg und über Skype/Facetime.

 

 

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