#11: Die richtige Atmung für Sänger/innen

#11. Die richtige Atmung für Sänger/innen

Ohne Atem gibt es keinen Ton.... Dein Atem ist die Quelle der Energie für deinen Ton, er bringt deine Stimmlippen zum Schwingen und Vibrieren...nur so lange der Atem fließt, können deine Töne hörbar sein....und als Sängerinnen wollen wir möglichst einen langen Atem zur Verfügung haben. Die Arbeit an der Atmung ist ein wichtiger Teil eines jeden Gesangsunterrichtes und als Sängerinnen arbeiten wir daran ein Leben lang. 

Wie funktioniert nun die richtige Sängeratmung und wie kannst Du es schaffen lange klangvolle schöne Töne zu singen? 

Im heutigen Blogartikel erfährst Du wie entscheidend die richtige sängerische Einatmung und ebenso die richtige sängerische Ausatmung, das sogenannte Atemmanagement oder auch die sogenannte „Atemstütze“ für deinen Gesang sind und welche Übungen dir dabei helfen, das zu lernen. 

Nach dem Lesen dieses Artikels bleiben hoffentlich keine Fragen mehr offen, wie die sängerische Atmung funktioniert und wie Du sie Dir erarbeiten kannst.

1. Die erste Voraussetzung – Die richtige Einatmung 

Nun könnte man ja meinen, wenn man lange Töne singen möchte, bräuchte man umso mehr Luft und daher sollte man sich in jedem Fall gehörig mit Luft voll pumpen... Probiere das gerne gleich mal aus, atme soviel Luft wie nur möglich ein. Was beobachtest Du? Hast Du deine Schultern hochgezogen und die Luft ist in deinen oberen Brustkorb geflossen, wie fühlt sich das an? 

Das was Du jetzt wahrscheinlich erfahren hast, ist die sogenannte Hochatmung oder Flachatmung. Diese Form der Einatmung müssen wir als Sängerinnen unbedingt vermeiden. Im Alltag verfallen wir gerade in Stressphasen häufig in diese Hochatmung/Flachatmung. 

Beim Singen möchten wir die sogenannte Tiefen-Atmung oder auch die kombinierte Bauch-Flanken-Atmung anwenden. Dabei lassen wir die Luft gefühlt tief in den Körper strömen, also in unsere unteren Rippen und unseren Bauch. 

Anatomisch gesehen passiert bei diesem natürlichen Atemvorgang folgendes: 

Durch die einströmende Luft senkt sich unser Einatem-Muskel, das Zwerchfell (siehe Abbildung) nach unten ab und die Lungenflügel füllen sich mit Luft. Dadurch weitet sich der Brustkorb durch Dehnen der Zwischenrippenmuskeln in alle Richtungen aktiv aus, 360°. 

 

Je tiefer das Zwerchfell nach unten hin Platz hat abzusinken, desto weiter kann die Luft in die Lungen gelangen, bis in die Spitzen der Lungenflügel. Damit das Zwerchfell nach unten hin absinken kann, muss sich der gerade Bauchmuskel entspannen und nachgeben, wir müssen der Bauch loslassen. Das Zwerchfell drückt nun die Bauchorgane nach unten und so sieht es so aus, als ob wir auch in den Bauch einatmen, der Bauch wird nämlich dadurch dicker. 

Es gibt nun Sängerinnen, die vor allem in die unteren Rippen einatmen und die dadurch entstehende Weite dann vor allem in diesem Bereich wahrnehmen. Andere Sängerinnen nehmen vor allem das Loslassen des Bauches wahr und es kommt Ihnen so vor, als würden Sie in den Bauch einatmen. Beide Formen sind gängige Arten der Sänger-Einatmung. Und dann gibt es noch eine Kombination aus diesen beiden. Die sogenannte Kombinierte Flankenatmung, sie gilt als die 

vollkommene Atmung vor allem für uns Sänger/innen. Dabei weitet sich der Brustkorb im Bereich der unteren Rippen 360° und der Bauch wird auch komplett losgelassen (wichtig: nicht rausgedrückt, sondern aktiv losgelassen). 

 

Übung 

Um ein Gefühl für diese Arten der Einatmung zu bekommen, wollen wir nun folgendes Ausprobieren: 

Stelle Dich aufrecht hin und lege deine Hände seitlich an deine unteren Rippen. Mache Dich komplett Luftleer indem Du auf ffff alle Luft herausströmen lässt. Halte die Luft kurz an und lasse sie dann tief in deinen Körper zu deinen Händen einströmen. Achte darauf, dass sich deine Schultern nicht heben. 
Nun das gleiche Spiel, aber diesmal lege deine Hände auf deinen unteren Bauch in Höhe des Bauchnabels. Nachdem Du dich wieder komplett Luftleer gemacht hast, lass die Luft diesmal tief in deinen Bauch einströmen, indem Du ihn loslässt.. 
Zum Schluss probiere eine Kombination aus beidem. Lege eine Hans auf deinen Bauch und eine Hand seitlich auf deine unteren Rippen. Nachdem Du dich luftleer gemacht hast, lass die Luft tief in deinen Bauch und deine Seiten, die unteren Rippen einströmen. 

Welche Form fühlt sich für dich am organischsten und natürlichsten, am angenehmsten an? 

2. Die kontrollierte Ausatmung 

Nun ist die Luft also tief in deinen Körper eingeströmt, und jetzt? Was geschieht jetzt natürlicher Weise? Genau, sie entweicht wieder, ganz automatisch...das Zwerchfell steigt nach oben, die Lungenflügel verlieren ihr Luftvolumen, die Zwischenrippenmuskeln ziehen den Brustraum zusammen, das Steigen des Zwerchfells lässt den Bauch einsinken, der Bauchmuskel kontrahiert und weg ist die Luft. Aber halt! wir brauchen doch die Luft zum Singen...Wie schaffen wir es nun dass wir die Ausatmungsluft daran hindern, sich schnell wieder zu verflüchtigen? Wir müssen es schaffen, sie kontrolliert abzugeben! Singen passiert auf den Ausatmen und nur wenn es uns gelingt, den Atem zurückzuhalten, und ihn gleichmäßig und kontrolliert abzugeben, so wenig wie möglich und soviel wie nötig, dann können wir lange und gut unterstützte Töne singen. 

Wie machen wir das? 

Jetzt kommt das Zwerchfell ins Spiel. Unser großer Atemmuskel das Zwerchfell steuert unseren Atemvorgang automatisch. Wir müssen uns also niemals Gedanken um unsere Atmung machen, sie läuft einfach von selber.  Das Zwerchfell möchte nun nach der Einatmung direkt wieder nach oben steigen, um die Luft wieder abzugeben. Da wir aber wie eben besprochen die Luft für unseren Gesang brauchen, müssen wir das verhindern. Wir müssen dafür sorgen, dass das Zwerchfell möglichst lange unten bleibt. Da unser Zwerchfell keinerlei Nerven besitzt können wir es nicht spüren, aber wir spüren die Muskeln um es herum. Und genau diese werden uns jetzt helfen. Damit das Zwerchfell länger unten bleibt, helfen Dir deine unteren Rippen, indem Du diese geweitet hältst! Und das Wort halten ist hier sehr wichtig! Bitte spanne sie nicht an im Sinne eines festen angespannten Vorgangs... Halte sie weit. 

Beim Weithalte kann Dir der gerade Bauchmuskel helfen...indem Du diesen wie in Zeitlupe nach innen wandern lässt, bleiben deine Rippen geweitet! Auch deine Lendenmuskeln können Dir dabei helfen, indem Sie in leichter Spannung gehalten werden. 

Übung 

Wir wollen das nun praktisch ausprobieren: 

Mache Dir erst mal wieder komplett Luftleer, indem Du all deine Luft auf ffff ausatmest. Danach lass die Luft tief in deinen Körper einströmen in dem Du eine der oben genannten Sängereinatmung benutzt. 
Nun lasse die Luft ganz gleichmäßig und kontrolliert auf ein ssss ausströmen, indem Du deine bei der Einatmung herstellte Weite im Bereich der Rippen, des Brustkorbes beibehältst und den Bauchmuskel in Höhe des Bauchnabels ganz langsam, wie in Zeitlupe nach innen wandern lässt. Für das Ausströmen des sss gilt: soviel wie nötig, so wenig wie möglich... 
Nehme dir eine Stoppuhr und messe die Zeit, wie lange Du es schaffst das sss auszuströmen. 

Unser langfristiges Ziel sind dabei 45 Sekunden. Aber stresse dich bitte nicht, wenn Du momentan erst 15-20 Sekunden schaffst oder weniger. Habe Geduld und mache einfach immer wieder diese Übung. 

Dieser Vorgang des kontrolliert abgegebenen Ausatmens wird „Atemstütze“ genannt oder auch Atemkontrolle oder Atem-Management und hilft Dir deinen Atem in effizientester Weise einzusetzen, denn für das Singen brauchen wir viel weniger Luft als man vielleicht denken würde, wir brauchen vor allem die gut dosiert abgegebene Luft. 

Es geht also nicht darum möglichst viel Atem einzuatmen, sondern den zur Verfügung stehenden Atem in optimalster und effizientester Weise zu benutzen. 

Folgende Übungen helfen Dir beim Trainieren deiner Atemkontrolle/Atemstütze: 

Singe einen langen Ton oder eine beliebige Tonfolge  auf ssssss oder wwww oder brrrrrr....z.B. 123454321 

All diese Konsonanten helfen Dir, deine Luft kontrolliert abzugeben und die beteiligten Muskeln zu trainieren, weil Du durch die kleine Mundöffnung und den Widerstand der Konsonanten gezwungen bist, die Luft langsamer abzugeben. 

Falls Du noch weitere Fragen hast oder etwas unklar geblieben ist, schreib mir gerne in die Kommentare oder an raum-fuer-gesang@gmx.de

Foto (c) Jan Gemkow 

 

    
     
     

   
 
  
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