18#: Die Bruststimme entwickeln und stärken - 5 Tipps 

18#: Die Bruststimme entwickeln und stärken - 5 Tipps

 

In den meisten Stilen der sogenannten Unterhaltungsmusik (Pop,Jazz,Rock,Chanson) benutzen Frauen wie Männer gleichermaßen  die Bruststimme. 

In der Pop-Musik wird sehr viel in der Bruststimme gesungen...einfach weil es dem normalen Sprechsound so vertraut ist und dadurch die Individualität, die in der Popmusik so gefragt ist, also dein ganz individueller Stimmcharakter besonders deutlich wird.

Aber was ist die Bruststimme eigentlich genau, was bietet sie für Vorteile und wie kann man sie entwickeln und stärken? 

Im heutigen Blogartikel erfährst Du die Antworten auf diese Fragen und erhältst Tipps für das Singen in der Bruststimme und kannst am Ende unten  mit dem Audio zusammen mit mir gemeinsam deine Bruststimme wecken und trainieren!

 

Was ist die Bruststimme? 

Genaugenommen ist die Bruststimme deine Sprechstimme. Zumindest benutzen die meisten Menschen beim Sprechen und Rufen ihre Bruststimme. Sie wird Bruststimme genannt, weil Du bei der Benutzung ihre Vibrationen in deinem Brustraum wahrnimmst. Du kannst ja mal deine Hände auf deinen Brustkorb legen und ein lautes und deutliches  „mein Name ist...“ sprechen...spürst Du da Vibrationen? 

 

Anatomisch gesehen schwingt beim Benutzen deiner Bruststimme mehr Stimmlippenmasse. Das bedeutet, deine Stimmlippen schließen bei der Schwingung öfter als dass sie sich öffnen. Sie werden vom TA-Muskel (Thyroarytnoid) verdickt und dadurch massiger. Fast so, wie wenn Du deinen Bizeps anspannst und er dadurch größer wird. Man nennt das auch „Vollschwingung“ im Gegensatz zur „Randschwingung“ der Kopfstimme wo sich nur die Ränder der Stimmlippen berühren. Durch diese erhöhte schwingende Stimmlippenmasse in der Bruststimme bekommst du eine große Stimmkraft und kannst laut und gut hörbar sprechen. 

 

Normalerweise benutzen wir die Bruststimme/Sprechstimme im unteren Teil unseres Stimmumfangs also eher in der tieferen manchmal auch mittleren Lage. Männer können sie teilweise bis e’ oder sogar g’ benutzen, Frauen in der Regel bis a’ oder maximal c’’. Du kannst deine Bruststimme also auch etwas in die Höhe bringen, aber ab einem bestimmten Punkt wird es sich eher gepresst oder geschrien anhören und sich auch unangenehm anfühlen. Davon möchte ich unbedingt abraten. Die Bruststimme mit Gewalt nach oben pressen zu wollen kann deine Stimmlippen schädigen. 

 

Im Folgenden daher nun einige Tipps zum „gesunden“ Singen in der Bruststimme: 

 

1. Etwas mehr Atem darf fließen 

Wie Du vielleicht schon in meinem Artikel „die richtige Sängeratmung“ gelesen hast, wollen wir beim Singen möglichst wenig Atem verbrauchen und ihn ganz kontrolliert und wohldosiert abgeben. Bei der Bruststimme verhält sich das nun ein klein wenig anders. Hier können wir die Luft beim Singen jetzt  durchaus etwas stärker abgeben. Achtung: ich meine keinen hauchigen Klang, es soll keine Luft zu hören sein! 

 

Der etwas stärker abgegebene Atem wird die Bruststimmenfunktion  fördern und ist hilfreich für einen brustigen Sound. 

 

Für die Einatmung gilt aber auch hier nach wie vor: Wir lassen die Luft tief in den Körper (in die unteren Rippen und den Bauch) strömen, geben sie nur etwas stärker ab während wir in der Bruststimme singen. 

 

2. Die Vibrationen fühlen 

Um dich zu vergewissern dass Du in der Bruststimme bist, kannst du deine Hände auf deinen Brustkorb legen und spüren, ob Du dort Vibrationen empfindest. Wenn ja, Herzlichen Glückwunsch! Du benutzt gerade deine Bruststimme. Du kannst dich also auf deinen Brustkorb als Klangraum fokussieren und dort den Klang wahrnehmen und in deiner Vorstellung entstehen lassen. 

 

3. Die Stellung deines Kehlkopfes

Dein Kehlkopf ist beim Sprechen in einer neutralen Position. Beim Gähnen erreicht der Kehlkopf seine tiefste Position. Beim Singen in der Bruststimme sollte der Kehlkopf nun möglichst in neutraler oder etwas tieferer Stellung (leichtes Gähngefühl) sein, da dies der Vollschwingung deiner Stimmlippen am zuträglichsten ist. 

 

4. Die Bruststimme finden 

Zur Erinnerung: die Bruststimme ist deine Sprechstimme. Wenn Du also Sprechen kannst, kannst Du auch in Bruststimme singen. Du benutzt die Sprechstimme dabei lediglich in bestimmten Tonhöhen. Um sich nun deiner Bruststimme anzunähern kannst Du Dir vorstellen, Du beobachtest wie jemand auf der anderen Straßenseite dein Fahrrad klauen will und rufst laut „HEY!“ oder „HALLO!“. Versuche dies mal auf verschiedenen Tonhöhen in deiner tiefen oder mittleren Stimmlage. 

 

5. Freiheit und Mut! 

Einer der Hauptgründe warum vor allem Sängerinnen nicht die Bruststimme finden ist Angst. Weil vor allem uns Frauen oft eingebläut wurde „sei nicht zu laut“ etc. fällt es vielen von uns schwer ihre Stimme laut zu erheben und so die Bruststimme zu finden. Oftmals sind wir es auch nicht gewöhnt, weil wir jahrelang im Chor immer nur Sopran gesungen haben. 

Auch ich habe ab der Jugend bis Mitte zwanzig nur in der Kopf- oder Mischstimme gesungen habe. Dadurch hatte ich keinen Zugang zu meiner Tiefe und zu meiner vollen Bruststimme. 

In meiner Gesangsausbildung habe ich dann erstmalig den Zugang zu meiner Brustimme gefunden, brauchte aber einige Zeit mich an diesen neuen Klang zu gewöhnen und ihn anzunehmen. 

Wenn auch Du zu den Frauen gehörst die keinen richtigen Zugang zu ihrer Bruststimme finden, dann kann ich Dir sagen das Wichtigste ist, dass Du MUT hast deine Stimme laut zu erheben. Mit Schüchternheit und Zurückhaltung kannst Du deine Bruststimme nicht finden, Du brauchst Mut zu Lautstärke und Freiheit. 

Angst verengt und führt zu Anspannung im Körper und in deiner Stimme. Wenn du also deine Bruststimme benutzt und übst, brauchst Du einen Ort, wo Du dich ungestört fühlst und dich keiner hören kann.   

 

6. Keine übertriebene Angst 

Es gibt viele Beispiele von Popsänger/innen die durch einen zu „brustigen“ in die Höhe gezogenen Sound ihren Stimmlippen geschadet haben und dann Stimmknötchen bekamen die operativ entfernt werden mussten...Adele ist es z.B. so ergangen. 

Und so wird auch von vielen Gesangslehrer/innen vor der Bruststimme gewarnt. Dadurch haben manche Sängerinnen (gerade aus der Klassik) eine etwas übertriebene Angst die Bruststimme zu benutzen. 

Da möchte ich dich beruhigen, die Bruststimme ist nicht per se schlecht für dich. Im Gegenteil: sie ist sogar gut für deine stimmliche Entwicklung. Wichtig ist einfach, dass Du sie nicht zu lange zu laut oder zu hoch benutzt und so deine Stimme ermüdest. 

Du musst deine anderen Stimmregister (Kopfstimme&Mischstimme) auch entwickeln und gerade die Kopfstimme als die gesunderhaltende Stimmfunktion immer im Fokus haben. Du musst dich gut einsingen bevor Du deine Brustimme trainierst und immer ganz achtsam sein ob sich alles gut und frei im Hals anfühlt.  

Wenn Du darauf achtest, wirst Du dein Klangspektrum mit der Bruststimme wunderbar erweitern, deine Stimme stärken und auch deinen Stimmumfang Richtung Tiefe ausbauen können.

 

ÜBUNG

Ich hoffe ich konnte Dir mit diesem Artikel helfen zu verstehen was mit der sogenannten Bruststimme gemeint ist und wie sie funktioniert. Jetzt bist Du eingeladen mit mir im unten stehenden AUDIO mitzumachen und deine Bruststimme zu wecken und zu trainieren! 

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