#9: Deine Kopfstimme stärken - 4 Tipps 

DEINE KOPFSTIMME STÄRKEN -  4 Tipps 

Die Kopfstimme ist für viele Gesangsanfängerinnen und Sängerinnen eine Herausforderung. Hauptsächlich, weil sie außerhalb des Grundgefühls existiert, das wir vom Sprechen kennen. Unsere Sprechstimme oder  auch Bruststimme ist uns vertrauter, weil wir sie ständig benutzen. Sie wird Bruststimme genannt, weil man sie vor allem in der Brust wahrnimmt, während man in der höheren Lage die Stimme im Kopf wahrnimmt. 

Viele ungeübte Sängerinnen versuchen nun mit der Bruststimme in Richtung Höhe zu singen und üben ungesunden Druck aus um die Töne noch irgendwie zu erreichen. Das nach Oben Pressen der Bruststimme ist dabei wirklich gefährlich, da es der Stimme schadet. Wir  können mit der Bruststimme nicht unendlich Richtung Höhe singen, es kommt der Punkt, an dem wir in die Kopfstimme wechseln müssen. Man nennt diesen Punkt Register-Übergang oder auch „Register-Bruch“, wohl weil es sich so anfühlt, als ob einem die Stimme wegbricht und man dort die Kontrolle verliert. 

Anatomisch gesehen passiert folgendes: 

Je höher Du singen möchtest, umso mehr müssen sich deine Stimmlippen in die Länge dehnen. Da dies nicht endlos geht passiert beim Übergang/Registerbruch dann folgendes: der Kehlkopf kippt plötzlich leicht nach vorne und Du bist in der Kopfstimme angelangt. Nun können sich die Stimmlippen durch die neue Stellung weiter dehnen und stretchen. In der Kopfstimme schwingt nun nicht mehr soviel Masse wie in der Bruststimme. 

Im Gesangsunterricht trainieren wir beide Register: Brustimme und Kopfstimme. Und wir möchten einen möglichst nahtlosen Übergang zwischen ihnen erreichen, mit Hilfe der Mischstimme. Heute geht es nun aber erst mal um die Kopfstimme und wie Du sie stärken kannst. Dazu nun vier Tipps mit einer anschließenden Audiospur mit den vorgestellten Übungen zum Mitmachen! 

1. Wecke die Resonanzäume in deinem Kopf 

Die Kopfstimme schwingt vornehmlich in den Resonanzräumen deines Kopfes, wie z.B. in deinen nasalen Resonanzräumen, den Nasenhöhlen. Um die Schwingungen der Kopfstimme zu maximieren, müssen wir wissen, wie wir diesen Teil unseres Resonanzsystems erwecken können, damit der Klang besonders in diese Räume gelangen kann und dort verstärkt wird. 

Ein Grund für eine brüchige oder zu leise, hauchige und schwache Kopfstimme könnte sein, dass die nasale Resonanz nicht geweckt ist. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, denke an dein Lieblingsessen und kaue genüsslich und mit viel Raum im Mund auf hmmmmmmmmmmmm...am besten schon direkt in deiner Kopstimme. Auch auf nnnn oder ng kannst Du gut Kontakt mit deinen Resonanzräumen bekommen in dem Du von oben nach unten Sirenen auf nnn oder ng machst. 

2. Hebe dein Gaumensegel an 

Eine gute Möglichkeit deine Kopfstimme zu fokussieren ist das Anheben des Gaumensegels. Ein guter Weg, um das zu fühlen, ist wenn Du so tust als würdest Du ein Lachen zurückhalten oder ein Gähnen unterdrücken. Sofort hebt sich das Gaumensegel. Spüre den Raum direkt hinter den oberen Backenzähnen und hebe ihn an. Dies wird Dir  helfen, den Ton klarer und präsenter zu machen. 

Singe nun mit diesem Gähngefühl ein Huuuuu und spüre, wie Du durch das Anheben des Gaumensegels plötzlich eine viel größere rückwertige Weite in deinem Mund hast. Wir nenne das auch gerne Kuppelklang, so als ob der Klang von hinten oben aus dem Dach einen Kuppel kommt...Mache Sirenen auf uuuuu, aaaa, iiiiiii mit diesem Gefühl des angehobenen Gaumensegels. Für eine klangvolle Kopfstimme ist dieser gewonnene Raum durch Anheben des Gaumensegels sehr entscheidend. Genau wie das Erwecken deiner Resonanzräume in deinem Kopf, musst Du dich auch hier darauf konzentrieren, dieses Gefühl so aktiv wie möglich zu halten, und es immer wieder zu üben, bis es zu einer neuen Gewohnheit wird. Falls dein Ton zu hauchig ist, setze vor das U ein G und singe Guuuu. 

3. In die Maske singen 

Das Anheben der Gaumensegels geht oft einher mit einem klassischen Sound. Im Pop möchten wir zusätzlich einen mehr vorderen Sitz der Stimme erreichen, wir nennen das auch „in die Maske singen“.  Um ein Gefühl für den Vordersitz zu bekommen,  kannst Du ja mal versuchen wie ein Baby zu schreien. Auch das mache ich Dir in dem Audio vor, dann kannst du direkt mitmachen...wir benutzen hier nun wieder die Resonanzräume des Nasen-Rachenraumes und können dadurch wirklich viel Resonanz und Lautstärke bekommen ohne unsere Stimme anzustrengen. Wir benutzen dafür die Silbe NJA. (Siehe Audio)

 

4.  Ohne Hauch singen  

Ein weiterer wichtiger Punkt um in klangvoller Kopfstimme singen zu können, ist es zu vermeiden zu hauchige, luftige Töne zu produzieren. Hauchige Töne sind immer ein Zeichen, dass sich deine Stimmlippen nicht richtig schließen. Um deinen Stimmbandschluss zu aktivieren eignet sich wie schon oben erwähnt das G, weil es die Verdichtung deiner Stimmlippen anregt...Also Du könntest Gu oder Gi ausprobieren....Auch das Imitieren eines Babyschreiens kann Dir hierbei wieder helfen. 

 

FAZIT 

Zusammenfassend kann man sagen, dass Du eine klangvolle und starke Kopfstimme entwickeln kannst, wenn Du deine Stimmlippen effizient einsetzt (ohne Hauch) Raum schaffst durch Anheben deines Gaumensegels und indem Du den Klang in deine Nasenrachen-Resonanzräume  nach vorne in die Maske leitest und dadurch einen natürlich klangvollen und kraftvollen Klang erzeugst, ohne deine Stimmlippen dabei zu überanstrengen. Denn dann nutzt Du einfach deine Resonanzräume die deinen Klang ganz natürlich verstärken. Die laute Kopfstimme wird manchmal auch schon als Mischstimme bezeichnet. In einem meiner nächsten Artikel gehe ich noch mal ausführlicher auf die Mischstimme ein.

Denke bei allem was Du stimmlich ausprobierst daran, es muss sich alles gut anfühlen im Hals. Gib mir gerne Feedback wie das für dich funktioniert und ob Dir diese Tipps etwas gebracht haben!

 

WICHTIG für das Mitmachen mit dem AUDIO: Bitte forciere deine Stimme nicht, alles soll sich gut und entspannt im Hals anfühlen. Wenn Dir meine Töne zu hoch sind, bitte nicht mit Gewalt versuchen, mache es in deiner Kopfstimmenlage. Wenn Du partout nicht in die Kopfstimme kommst und in der Bruststimme bleibst, singe extra leiser und zarter um die Randschwingung deiner Stimmlippen anzuregen...Mit Sirenen von oben nach unten auf U erreichst Du sie meistens schnell. Schreibe mir in die Kommentare was klappt und was nicht, dann kann ich spezieller auf Dich eingehen!

 

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